Docfest on Tour – IKOB Eupen

Programm 15. September 2019

 

17.00 – 17.15 Einlass

17.15 – 18.00 Film: Experiment Rojava in Syrien

18.30 – 19.00 Kuratorenführung durch die Ausstellung
4/10 Eine kritische Bestandsaufnahme der IKOB Sammlung
mit Frank-Thorsten Moll

19.10 – 20.30 Film: Vulva 3.0

20.30 – 21.00 DocTalk – Filmgespräch mit Regisseurin Claudia Richarz und Gynäkologin Dr. Carmen Reque
Moderration Michael Chauvistré

Eintritt frei

IKOB Eupen | © ArthurMcGill , LizenzCC BY 3.0

Rotenberg 12b
4700 Eupen, Belgien

Experiment Rojava in Syrien

Eine Gesellschaft im Aufbruch

Syrien ist seit Jahren der Inbegriff von blutigem Bürgerkrieg, IS-Terror und Stellvertreterkrieg der Mächte im Ringen um Einfluss im Mittleren Osten. Aber die notleidende syrische Bevölkerung floh nicht nur nach Europa, viele Menschen fanden auch innerhalb des Landes Zuflucht: im Norden Syriens, in der Region Rojava, an der Grenze zur Türkei.

Hier leben Kurden, Araber, Aramäer und Syrer friedlich zusammen, seien es Muslime, Jesiden oder Christen. Oberste Prinzipien sind autonome Selbstverwaltung, Frauenemanzipation, Schutz und Beteiligung von Minderheiten und religiöse Toleranz. Diese Grundsätze sind in einer Art Verfassung, dem sog. Gesellschaftsvertrag, niedergelegt.

Aber funktioniert das auch in der Praxis? Wie kann es gelingen, jahrhundertealte Gesellschaftsstrukturen und Geschlechterbeziehungen aufzubrechen, die noch von traditionellen Handlungsmustern geprägt sind?

phoenix-Autor Robert Krieg lernt Menschen kennen, die das gesellschaftspolitische Experiment der Demokratie von unten tragen und voranbringen wollen. In der Kleinstadt Amûdê, die hauptsächlich von der Landwirtschaft lebt, begleitet er Sitzungen von Stadtteilkomitees, besucht eine Ladenkooperative und eine Textilmanufaktur.

Besonders aktiv sind die Frauen, die ihre neu gewonnen Rechte nutzen. Sie bringen sich einerseits politisch in der kommunalen Selbstverwaltung ein, wenn auch unentgeltlich. Andererseits werden sie wirtschaftlich unabhängig durch Arbeitsplätze, die sie selbst geschaffen haben. Noch steht vieles am Anfang und muss erst erkämpft werden, aber auch Männer bis hinauf zu den ehrwürdigen Älteren unterstützen sie, um gemeinsam dem gesellschaftspolitischen Ideal der Basisdemokratie näherzukommen.

Deutschland |2019 | 43 min
Regie Robert Krieg

Ausstellung: 4/10 – Eine kritische Bestandsaufnahme der IKOB Sammlung

2019 ist in Sachen Gleichstellung von Künstlerinnen und Künstlern, in einigen Kunst- und Kulturinstitutionen, offensichtlich ein Jahr des Umdenkens. So zeigt die Tate Modern in London seit April für zwölf Monate ausschließlich Künstlerinnen aus der eigenen Sammlung. Durch den Fokus auf die prozentual viel seltener ausgestellten Kunstwerke von Frauen sollen diese stärker repräsentiert und ihr Beitrag zur Kunstgeschichte angemessen gewürdigt werden. Auch außerhalb der bildenden Kunst gibt es solche Projekte. So engagiert das Staatstheater Karlsruhe für die Spielzeit 2018/2019 nur Regisseurinnen. Zu diesen eigentlich längst überfälligen Handlungen will auch das IKOB seinen Beitrag leisten. So unterzogen wir unsere Sammlung einer genaueren Analyse und gingen der Frage nach, wie viele Kunstwerke von Frauen und wie viele von Männern stammen. Es zeigte sich, dass genau 40% der Kunstwerke in der Sammlung von Künstlerinnen geschaffen wurden. Vier von zehn ist zwar kein schlechter Schnitt im Vergleich zu anderen Museen, deren Quote immer noch bei etwa 25% festgefahren zu sein scheint.

Da ein Umdenken nur dort stattfinden kann, wo man sich dieser Differenzierung bewusst wird, ist die Ausstellung 4/10 – Eine kritische Bestandsaufnahme der IKOB Sammlung der Anfang den Künstlerinnen aus unserer Sammlung inhaltlich gerecht zu werden und ihren Beitrag an der Einzigartigkeit in der (Ost-)belgischen Kunstwelt durch ihre Sichtbarmachung zu fördern. Daher heißt es aktuell: Männer ins Depot, Frauen ins Museum. Frank-Thorsten Moll, Direktor des IKOB wird die Besucherinnen und Besucher des Docfest on Tour durch diese Ausstellung führen.

Führung 18.30 – 19.00

VULVA 3.0

Zwischen Tabu und Tuning

Die Schönheitschirurgie hat ein neues Aufgabengebiet: die (Weg-) Optimierung der Vulva – des äußeren weiblichen Genitales. Ausgehend von dieser Entwicklung bietet Vulva 3.0 einen unterhaltsamen, überraschenden und nicht zuletzt aufklärerischen Blick auf weibliche Intimregionen.

Es geht um Wahrnehmung und Repräsentation, um Sichtbarkeit und Verstecken, um freiwillige Modellierungen und rituelle Verstümmelung, um anatomische Irrtümer und historische Perspektiven, um Zensur und Zelebrieren der Vulva und damit weiblicher Sexualität.

Zu Wort kommen dabei unter anderem die Aktivistin gegen weibliche Genitalverstümmelung JawahirCumar, die bekannte Publizistin Dr. Mithu Melanie Sanyal, die Medizinhistorikerin Dr. Marion Hulverscheidt, die Publizistin der erotischen Jahrbände Mein heimliches Auge Claudia Gehrke, die Erfinderin des MS 5/2 Modells der weiblichen Sexualorgane für den Unterricht Angelika Beck, die Betreiberin des Sexclusivitäten Salons und Herausgeberin von Frauenkörper neu gesehen Dr. Laura Méritt und mehrere Mitgründer*innen der Gesellschaft für ästhetische und rekonstruktive Intimchirurgie GAERID e.V.

Deutschland | 2014 | 78 min
Regie Claudia Richarz & Ulrike Zimmermann

Im Anschluss DocTalk – Filmgespräch mit Regisseurin Claudia Richarz und der Gynäkologin Dr. Carmen Reque, Moderation Michael Chauvistré

Docfest on Tour ist ein gemeinsames Projekt von

 

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